MOBILE TIMES Archiv Startseite : Archiv : Heft 16 : Artikel

Artikel aus Mobile Times 16

Länderbericht

Spanien

Nicht nur Österreich befindet sich seit Jahren im Mobilfunkrausch. Auch bei unseren Mit-Europäern auf der iberischen Halbinsel überschlagen sich die Zuwachsraten in den GSM-900-Netzen geradezu. Und die beiden Netzbetreiber Telefónica Móviles und Airtel freuen sich selbstverständlich.


Egal, ob man sich in San Sebastian, Madrid, Sevilla, der Costa Brava, auf den Balearen oder den Kanarischen Inseln aufhält, auch bei den Spaniern gehört das kleine Mobiltelephon mittlerweile fest zum Alltag. Und sicher ist es auch in Spanien dem Wegfall des reinen Staatsmonopols und dem dadurch entstehenden Wettbewerb zu verdanken, daß sich die mobile Telephonie südlich der Pyrenäen so schnell zum Massenmarkt entwickelt hat.

Während das der Telefónica - dem spanischen Pendant zur österreichischen Post und Telekom AG - gehörende Netz unter dem Namen "Telefónica Móviles" seinen Betrieb im Juli 1995 aufnahm, startete die private Konkurrenz "Airtel" im Oktober des selben Jahres. Die Zahlen, die bis zum Ende des Jahres 1996 erreicht wurden, sind wirklich beeindruckend. In nur knapp anderthalb Jahren haben es die beiden spanischen Netzbetreiber geschafft, knappe drei Millionen Kunden vom Thema Mobilfunk zu überzeugen. Dies bedeutet, daß in Spanien bereits acht von 100 Einwohnern einen Zugang zu einem der beiden Netze haben.

Marktführer ...

Marktführer ist die Telefónica Móviles. Zum Ende des Jahres 1996 hat es dieses Unternehmen geschafft, seine Teilnehmerzahlen, genau wie in 1995, zu verdoppeln. Insgesamt telephonierten in dem "MoviStar" genannten Netz zum entsprechenden Stichtag 2.345.645 Teilnehmer, was einer Steigerungsrate von 153 Prozent zum Jahr 1995 entspricht. Damit konnte die Telefónica Móviles - verglichen mit europäischen Mitbewerbern - die größte Wachstumsrate verzeichnen.

Ein Grund für dieses starke Wachstum ist sicherlich der extrem schnell voran getriebene Netzausbau sowie erhebliche Marketing-Anstrengungen. Zur Unterstützung des Vertriebsnetzes, das nicht weniger als 6.600 Repräsentanten umfaßt, wurden in 1996 ca. 37 Prozent des Umsatzes in das Marketing investiert. Um das Wachstum auch im Jahre 1997 weiter anzuheizen, hat man sich bei Telefónica Móviles ehrgeizige Ziele gesetzt: Eine "Service Fabrik" genannte Abteilung soll Monat für Monat neue Dienste marktreif machen. Insbesondere möchte man dem Markt mit Daten- und Faxdiensten, die bislang vernachlässigt wurden, neue Impulse insbesondere im Business-Bereich geben.

In tariflicher Hinsicht haben die spanischen Marktführer schon einiges an differenzierten Angeboten stehen. So gibt es spezielle Corporate-Tarife, Finanz-Informationen oder bestimmte Regional-Tarife. Auch eine Pre-Paid-Lösung ist bereits im Angebot: MoviStar Activa ist eine wieder aufladbare Telephonkarte, ohne Vertrag und ohne monatliche Grundgebühr und ohne Rechnung.

... und Verfolger

Aber auch Mitbewerber Airtel führt kein Mauerblümchen-Dasein. Allerdings sind die Teilnehmerzahlen nicht so rasch in die Höhe geschnellt, wie bei dem staatlichen Mitbewerber. Ende 1996 konnte man jedoch bereits auf einen Stamm von mehr als 650.000 Kunden blicken, der - nach eigenen Angaben - einen Nach-Steuer-Gewinn von 30 Milliarden Pesetas in die Kasse des Unternehmens brachte. Dieses geschickte Finanzgebaren von Airtel ist sicherlich nicht zuletzt dem Know-how der Anteilseigner zu verdanken.

Neben einem Konsortium verschiedener Banken, angeführt von der Banco Central Hispano und der Banco de Santander, gehören auch die amerikanische Airtouch International und die British Telecom zu den Airtel-Eigentümern. Gerade diese beiden Partner stellen den Spaniern ein Wissen zur Verfügung, mit dem sie selbst bereits zweihundert Millionen Kunden weltweit betreuen.

Verdoppelung 1997?

Für das Jahr 1997 hat man sich bei Airtel eine Verdopplung der Teilnehmerzahlen auf gute 1,2 Millionen vorgenommen. Wie auch bei der Konkurrenz, sind für die Erreichung dieses Ergebnisses erhebliche Marketing-Anstrengungen erforderlich.

Neben Preissenkungen und neuen differenzierten Tarifangeboten engagiert sich Airtel ganz erheblich im Bereich Sport-Sponsoring: Neben der Dakar-Rally '97 tritt man als Sponsor von Golf-Turnieren, beim Motor-Sport und bei der Unterstützung der Sevilla-Kandidatur für die Olympischen Spiele im Jahre 2004 auf.

Analoge Anmerkung

Während - wie man an den Coverage-Karten sieht - das GSM-Netz der Telefónica noch einige Lücken hat, ist das TACS-900-Netz (etwa unserem D-Netz vergleichbar), das von der Telefónica gemeinsam mit einem alten NMT-System (in der gleichen 450 MHz-Variante wie unser C-Netz) unter MoviLine vermarktet wird, beinahe flächendeckend: 99% der Bevölkerung und immerhin 95% des Territoriums werden versorgt.

Anfang 1997 hatte MoviLine auch noch 1,3 Millionen Kunden. Trotz dieser hohen Teilnehmerzahl neigt sich auch in Spanien das Zeitalter des analogen Mobiltelephones dem Ende zu. Denn nach den eigenen Prognosen der Telefónica- wird diese Zahl im Laufe des Jahres 1997 auf nur mehr 775.000 sinken, denn der GSM-Siegeszug macht auch vor erfolgreichsten Analognetzen längst nicht mehr halt.

Resumée

Alles in allem scheint es schwierig, in der krisengeschüttelten spanischen Wirtschaft einen Zweig zu finden, der in den letzten Jahren ein solch' kometenhaftes Wachstum vorzuweisen hat, wie der Bereich der mobilen Telephonie und den Urlauber freut es, daß er fast überall telephonieren kann.

Thomas Stormanns

Der Autor dieses Berichtes ist Chefredakteur des deutschen Mobilfunk-Fachmagazines "Funky"


Die spanischen GSM-Netze

Eckdaten
Betreiber:Telefónica MóvilesAirtel S.A.
Netzname:MoviStarAirtel
Netzcode:214 07214 01
Display Code:E TELEFONICA
E MSTAR
E AIRTEL
AIRTL
Vorwahl nach A+43 oder 07 43+43 oder 07 43
Netzdienste
ABJaJa
RufumleitungJaJa
RufsperreJaJa
Anklopfen / MakelnJaJa
SMS MOJaNein
SMS MTJaJa
Fax / DatenJaJa
KonferenzgesprächJaJa

Bisher erschienene Länderberichte:

>>Belgien: Belgacom Mobile, Proximus
>>Dänemark: Tele Danmark Mobil, Sonofon
>>Deutschland: D1, D2
>>Frankreich: SFR
>>Großbritannien: Cellnet, Vodafone
>>Italien: SIP
>>Luxemburg: P&T Luxemburg
>>Niederlande: Libertel, PTT Telecom
>>Schweden: Comviq, Europolitan, Telia Mobitel
>>Schweiz: PTT Telecom
>>Slowakei: EuroTel, GlobTel
>>Slowenien: Mobitel
>>Ungarn: Pannon, Westel



MOBILE TIMES Home Letzte Überarbeitung: Montag, 10. Februar 2003
Text © 1997 by Mobile Times; HTML © 2001-2003 by Mobile Times
Valid HTML 4.01!